Dennis Kurth, NOZ Osnabrück , 10.10.2026
Dass ein Torwart im Rahmen eines knappen Rückstandes kurz vor Spielende den Weg mit nach vorne sucht, ist auf Osnabrücks Fußballplätzen häufiger zu beobachten. Dass dieses kühne Unterfangen bei einer eigenen Standardsituation jedoch von Erfolg geprägt ist, darf man als Seltenheit und als besondere Geschichte betrachten: Marc Böhmer vom SV Rasensport Osnabrück hat seit dem vergangenen Wochenende eine Erinnerung fürs Leben – und sein Team einen möglicherweise entscheidenden Punkt mehr auf dem Konto.
Im Heimspiel gegen RW Sutthausen läuft beim Stand von 1:2 aus Sicht der Rasensportler die Nachspielzeit. Der Schiedsrichter spricht Raspo noch eine letzte Ecke zu. Höchste Zeit für Böhmer, sich an das andere Ende des Spielfeldes zu begeben: „Gegen Sutthausen reichte ein kurzer Blickkontakt mit Björn Steffen aus, der darüber hinaus auch von den Zuschauern aufgefordert wurde, mich nach vorne zu schicken“, gibt der Torhüter mit einem Lächeln an.
Böhmer positioniert sich bei seinem notwendigen Ausflug in Richtung des zweiten Pfostens – genau an dem Punkt, wohin die Ecke seines Teamkollegen Luca Jonker Sekunden später getreten wird. Im Stile eines erfahrenen Torjägers rennt der eigentliche Schlussmann in den Ball und versenkt ihn aus vollem Lauf per Kopf in der kurzen Ecke. „Das war eine unfassbare Situation. Als Torwart träumt man davon, irgendwann mal so ein Tor zu machen. Der Jubel ist dann natürlich pure Ekstase und Erleichterung. Da fühlt es sich dann auch ziemlich geil an, in der Jubeltraube ganz unten von den Mitspielern begraben zu werden“, so Böhmer zur Situation und zu den Reaktionen seiner Teamkollegen.
Der Treffer von Marc Böhmer wurde von der Ersatzbank des SV Rasensport auf Video festgehalten:
„Marc liebt diesen Verein, und deshalb freut es mich sehr für ihn. Es war die letzte Aktion, und ich habe Marc mit nach vorne geordert. Als er dann das Ding über die Linie gedrückt hat, gab es natürlich kein Halten mehr. So einen Moment hat man nicht so häufig. Aber ich habe mich auch für die gesamte Mannschaft gefreut, die einfach nie aufgegeben hat“, blickt auch Trainer Björn Steffen stolz auf das Erlebte zurück.
Mit dem 2:2 gegen ein potenzielles Top-5-Team machten die Rasensportler endgültig ihren guten Saisonstart perfekt. Der Aufsteiger aus der 1. Kreisklasse bereichert die Kreisliga Süd mit hoher Einsatzbereitschaft, einer klar erkennbaren spielerischen Weiterentwicklung und vielen späten Toren: Bereits sechs eigene Treffer fielen in den letzten fünf Minuten eines Ligaspiels, vier davon führten in der Nachspielzeit zu Punktgewinnen – auch dank dieser späten Tore steht Raspo auf Platz zehn. Eines davon durch einen Torhüter, der nun eine fußballerische Geschichte fürs Leben zu erzählen hat!